Die Unternehmensgeschichte
Am Anfang waren die Bleistifte
Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte der Großraum Nürnberg einen kleinen Boom. Bleistiftmacher waren schon seit 1662 in Nürnberg tätig aber in Folge der hohen Nachfrage und moderner Produktionsverfahren gründeten sich immer mehr Bleistiftfabriken. Um die Jahrhundertwende waren es 23 Fabriken allein in Nürnberg in denen rund 10.000 Arbeiter beschäftigt waren.
Eine dieser Fabriken wurde im Jahr 1855 von Georg Conrad Großberger und Hermann Christian Kurz gegründet. Sie setzten von Anfang auf hohe Qualität und investierten in die maschinelle Herstellung. Das kleine Unternehmen wächst schnell, doch 1864 geraten Großberger und Kurz in Zahlungsschwierigkeiten. Ein Jahr später kauft Gustav Adam Schwanhäußer die Fabrik.
Die Ära Schwan beginnt
Schwanhäußer beweist großes unternehmerisches Geschick. Er investiert in den Ausbau der Fabrik, neue Produktionsanlagen und die Entwicklung neuer Produkte. Und die Firma erhält ihr Logo, das bis heute für die Marke steht: Den Schwan.
Die Arbeit zahlt sich aus. Im Jahr 1875 präsentiert Schwanhäußer die erste große Innovation, einen farbigen Kopierstift. Der Stift setzt neue Maßstäbe und wird zum Absatzrenner. Hinzu kommt ein gewaltiges Vertriebsnetz der Firma, das sich inzwischen bis zum Orient erstreckt. Die „Schwan-Bleistift-Fabrik“ wächst bis zur Jahrhundertwende zu einem beachtlichen Industrieunternehmen heran.
Die Erfindung von STABILO
Im Jahr 1908 stirbt Gustav Adam Schwanhäußer und seine Söhne Eduard und Alfred übernehmen die Unternehmensleitung. Ähnlich ihrem Vater beweist auch die zweite Generation ein glückliches Händchen. Eduard baut als Ökonom den Vertrieb weiter aus und steuert das Unternehmen sicher durch die Schwierigkeiten des ersten Weltkrieges und der Weltwirtschaftskrise. Sein Bruder August, passionierter Chemiker und Physiker, übernimmt die technische Leitung des Unternehmens und entwickelt verbesserte und völlig neue Produkte. 1925 bringt Schwan die Dünnkernfarbstifte auf den Markt. Mit ihrer neuartigen, dünnen und extrem bruchsicheren Mine war es möglich haarfeine saubere Zeichnungen mit großer Farbbrillanz anzufertigen. Diese Stifte, ihrer Zeit weit voraus, wurden aufgrund der Bruchfestigkeit STABILO genannt. Dieser Name bürgt bis heute für die Qualität und Festigkeit aller Stifte.
Wiederaufbau. Die Dürrejahre
Am 02.01.1945 greifen 521 britische Bomber Nürnberg an, die Stadt wird zu 90% zerstört. Auch die „Schwan-Bleistift-Fabrik“ liegt nach dem Angriff in Trümmern. Die dritte Generation hat die schwere Aufgabe, das Unternehmen durch die Nachkriegsjahre zu führen und wieder aufzubauen. Zunächst hält sich das Unternehmen mit Kosmetikprodukten über Wasser, eine Sparte in der bereits Alfred Schwanhäußer viel experimentiert hatte und die heute noch eine große Rolle spielt. Aber dazu später mehr. In den 50er Jahren gelingt es mit dem ALL-STABILO, einem innovativen Grafitstift, wieder auf dem Schreibwarenmarkt Fuß zu fassen. Aber das Wirtschaftwunder bleibt aus. Die Zeit des Bleistifts ist vorbei, Kugelschreiber sind nun gefragt und überrollen den Markt. Das Unternehmen sucht den Anschluss, kann jedoch den Vorsprung der Konkurrenz nicht aufholen.
Faserstars
Der Erfolg stellt sich erst in der vierten Generation wieder ein, die 1969 die Geschäfte übernimmt. Mit Filzstiften. Faserschreiber, wie die Stifte im Fachjargon heißen, gehören schon seit den frühen 60er Jahren zum Sortiment, aber erst in den 70ern kommen die Stars auf den Markt: 1971 revolutioniert der STABILO BOSS den Schreibwarenmarkt. Der erste fluoreszierende und dabei ungiftige Fasermaler der Welt ermöglicht das Markieren an Stelle des Unterstreichens. Bis dahin undenkbar. Der BOSS wird zu einem Verkaufsschlager, bis heute wurden mehr als 1,6 Milliarden Stück verkauft.
Ein weiterer Star kommt 1977 hinzu, der STABILO point 88. Jeder kennt ihn und bis heute ist der Fineliner unangefochtene Spitze. Allein im Jahr 2004 wurden in Deutschland ganze 50 Millionen Stifte verkauft.
Neues Gesicht
In den Folgejahren bietet sich die Zeit für eine Verjüngungskur. Die „Schwan-Bleistift-Fabrik“, die inzwischen wenig mit ihrem Namen zu tun hat, wird 1976 in „Schwan-STABILO“ umbenannt. 1995 zieht das Unternehmen von Nürnberg in das benachbarte Heroldsberg auf ein 60.000 m² großes Firmengelände. Und nur ein Jahr später wird die „Schwanhäußer Industrie Holding GmbH & Co. KG“ gegründet, unter deren Dach die beiden Bereiche Schwan-STABILO Schreibgeräte und Kosmetik zusammengefasst sind.
Lifestyle als Motto
Nach den formellen Veränderungen wollte man auch im Trendbewusstsein nicht hinten an stehen und setzten die Verjüngungskur in der Produktpalette fort. Seit den 90er Jahren konzentriert sich STABILO auf die Zielgruppe der 12- bis 29-Jährigen. Und das heißt trendy sein, hip, cool, den Lifestyle der Jugend aufgreifen und in Stifte gießen. Und das in bewährter Qualität. Das Konzept geht auf.
Mit dem ’s move Elastic Writer gelingt 1999 der nächste Coup. Der Stift der aussieht wie ein luftleerer Basketball und sich auch so anfühlt, trifft den Nerv der Zeit und entwickelt sich zum Kultobjekt. Im Jahr 2004 bringt STABILO eine weitere kleine Revolution auf den Markt: der ’s move easy, ein farbenfroher und ergonomisch geformter – um nicht schlicht zu sagen „krummer“ – Füller. Die Schreibeigenschaften und das Design überzeugen. Bis heute ist der ’s move easy unangefochtener Marktführer unter den Schulschreibern in Deutschland. Und das ist bei weitem nicht alles, da gibt es noch den bionic, die ’s move nightfever, die Pacific Collection oder den BOSS in der „Mini Monster“-Version. Ihr kennt sie. Und dürft gespannt sein auf weitere Innovationen.
Zahlen & Fakten
Geschäftsführer: Sebastian Schwanhäußer, in 5. Generation
Produktionsstätten: Deutschland (Weißenburg), Tschechien (Cesky Krumlov) und Malaysia (Johor Bahru)
Mitarbeiter in Deutschland: 442 Mitarbeiter
Mitarbeiter weltweit: 1.255 Mitarbeiter
Jahresumsatz (2007): 132 Millionen EUR
Jahresumsatz (2008): 152 Millionen EUR
Verkaufte Stifte (2006): rund 500 Millionen
Kurioses
Nicht nur Stifte: Die Kosmetik Was kaum einer weiß: Schwan-STABILO gehört zu den weltweit führenden Herstellern von Kosmetikstiften. Wie das? Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts forschte August Schwanhäuser an Kosmetika. 1927 entwickelte er den weltweit ersten Augenbrauenstift – ursprünglich wurde dieser als Markierungsstift bei Operationen verwendet. In den 50er Jahren wurde weiter geforscht und seit den 70er Jahren ist Schwan-STABILO Cosmetics einer der weltweit größten Private-Labler-Partner. Das bedeutet, die renommiertesten Kosmetikfirmen bekommen ihre Eyeliner, Lippenstifte, Konturenstifte, Augenbrauenstifte usw. von Schwan-STABILO geliefert.
Weltrekord: Die Cap-off-time COT = 100h. Was aussieht wie eine physische Formel ist in Wahrheit eine grandiose und kaum bekannte Eigenschaft des STABILO point 88. Der Klassiker unter den Finelinern schafft nämlich eine Cap-off-time von 100 Stunden. Immer noch nicht klarer? Cap-off-time bezeichnet den Zeitraum, den ein Stift ohne Kappe liegen kann, ohne dass er eintrocknet. Ihr könnt euren point 88 also sagenhafte 100 Stunden ohne Kappe liegen lassen und direkt danach weiter schreiben. Das sind über vier Tage, also über eine halbe Woche…