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Geschichte & Philosophie

Chatwins Mythos vom Moleskine
Bruce Chatwin, der Weltenbummler und Künstler, war es, der dem kleinen schwarzen Notizbuch zu seiner heutigen Berühmtheit verhalf. In seinem Buch „Traumpfade“ beschreibt er detailliert die „carnets moleskines“ wie er sie nannte. Schlichte Notizbücher, die mit einem Gummiband geschlossen wurden und am Ende eine Tasche hatten. Der Einband bestand aus einem schwarzen Lederumschlag, dem Moleskin, dessen französische Aussprache namensgebend ist. Gewachst war der Umschlag wasserabweisend und somit reisefest und sehr robust. „Losing my passport was the least of my worries, losing a notebook was a catastrophe.“ – „Meinen Pass zu verlieren war die kleinste meiner Sorgen, mein Notizbuch zu verlieren war eine Katastrophe.“ wird der Autor zitiert und begründet damit einen Kult.

Das Ende eines Kults
Jedes Mal bevor Chatwin sich auf Reisen begab, besorgte er sich zuvor in einer kleiner Papeterie in der Rue de l’ Ancienne Comédie in Paris einen Vorrat Moleskines. Bis eines Tages im Jahr 1986 keine Bücher mehr da waren. Der einzige Hersteller sei verstorben, hieß es, der Lieferant ein kleines Familienunternehmen in Tours erhielt keine weitere Waren. Der Legende nach kaufte Chatwin alle Moleskine, die er noch finden konnte.

Intellektuelle Anhänger
Chatwin war nicht der einzige Künstler, der die schlichten Notizbücher schätzte und liebte. Bereits in den vergangenen zwei Jahrhunderten waren die Moleskines in der intellektuellen Boheme und Künstlerszene geschätzt und weit verbreitet. Angeblich wurden sie von Berühmtheiten wie Ernest Hemingway, Vincent van Gogh, Pablo Picasso, Henri Matisse und Jean-Paul Sartre verwendet. Wie viel davon romantische Nostalgie ist, wissen wir nicht. Belegt ist jedoch, dass Luis Sepúlveda und Bruce Chatwin Moleskines verwendet und wegen ihrer schlichten Eleganz du Funktionalität geschätzt haben.

Die Wiederentdeckung durch Modo & Modo
Das kleinen Mailänder Designunternehmen Modo & Modo begibt sich Anfang der 90er Jahre auf die Suche nach dem sagenumwobenen Notizbuch. Nach einigen Monaten Suche und Recherche findet sich immerhin ein Original, das auf Chatwins Beschreibungen passt. Und viele Legenden, die sich um das Buch ranken. Diese bestätigen, dass damit ein wichtiger Schatz geborgen ist und eine Neuauflage her muss. Das kleine Unternehmen legt das Notizbuch neu auf. Anhand der Beschreibungen von Chatwin wird es sorgsam rekonstruiert und zunächst in kleiner Auflage von einigen Tausend Stück produziert.

Ein weltweiter Rausch
Die ersten Moleskines, zunächst nur in italienischen Buchhandlungen erhältlich, finden reißenden Absatz. Bald ist die Neuauflage so beliebt wie ihre sagenumwobenen Vorgänger. 1998 lässt sich Modo & Modo die Marke schützen und tritt einen weltweiten Siegeszug an. Seit 2000 sind Moleskines auch in Deutschland zu finden, zunächst nur als Geheimtipp in Museumsshops.

„Der Schmuck kultivierter Querdenker“
Heute haben die Moleskines wieder Kultstatus erlangt und sich als das Buch der Künstler und Denker etabliert. Wer Moleskine „trägt“ ist ein kreativer Individualist, ein kultivierter Querdenker, ein ausgefuchster Boheme. Ein Unikat eben. Ganz wie die Bücher, die es inzwischen in allen erdenklichen Variationen gibt. Für jeden ist das passende dabei und sobald man es in der Hand hat fühlt es sich wie das eigene an, für die ganz individuellen Ideen und Gedanken.

Zahlen & Fakten 2006

Mitarbeiter: rund 30
Verkauf: rund zehn Millionen Exemplare (in Zahlen 10.000.000)
Erhältlich in 53 Ländern
Weltweit rund 14.000 Verkaufsstellen
Davon sind 65% Buchläden



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